Die Antigua Archicofradía de la Santa Vera+Cruz, eine der prominenten Bruderschaften in Vélez-Málaga,  in ihren Prozessionsgewändern. Copyright Lutz Dausend
Semana Santa, Vélez-Málaga © Lutz Dausend

Eine Woche voller Traditionen, Musik und beeindruckender Prozessionen

Während der Karwoche werden Städte und Dörfer im Süden Spaniens zur Kulisse für jahrhundertealte Prozessionen, Musik und tiefe Hingabe.

Die Bedeutung der Karwoche
Die Karwoche – in Spanien besser bekannt als Semana Santa – gehört zu den wichtigsten religiösen Zeiten im christlichen Kalender. In dieser Woche wird des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesus gedacht. Die Semana Santa bildet den Abschluss der Fastenzeit und umfasst unter anderem Gründonnerstag und Karfreitag. In diesem Jahr findet die Semana Santa von Sonntag, dem 29. März, bis zum 5. April statt.

Cofradia Mitglied in Vélez-Málaga, copyright Christian Seidlitz
Cofradía, Vélez-Málaga © Lutz Dausend

Obwohl Weihnachten in vielen westlichen Ländern oft ausgelassener gefeiert wird, hat die Karwoche innerhalb der christlichen Tradition eine noch tiefere Bedeutung. Der Höhepunkt dieser Zeit ist das Triduum Sacrum, gewissermaßen das Herz der Karwoche.

Diese Zeit beginnt am Gründonnerstag, setzt sich mit Karfreitag und Karsamstag fort und endet in der Nacht mit der Osternacht. Während dieser besonderen Tage wird Schritt für Schritt an das Leiden, den Tod und schließlich an die Auferstehung Jesus Christi erinnert.

Die Osternacht läutet die Freude des Ostersonntags ein – den Tag, an dem Christen feiern, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Gleichzeitig fällt Ostern mit dem Beginn des Frühlings zusammen und steht auch symbolisch für neues Leben.

Prozessionen, Musik und jahrhundertealte Traditionen
Sobald die Semana Santa beginnt, verändert sich die Atmosphäre in den Städten und Dörfern vollständig. Die Straßen füllen sich mit beeindruckenden Prozessionen, getragen von jahrhundertealten Traditionen, Musik und tiefer Hingabe. Was für Außenstehende manchmal schwer zu begreifen ist, bildet für viele Andalusier den emotionalen Höhepunkt des Jahres.

Jeden Tag ziehen Bruderschaften (cofradías) von ihren Kirchen aus durch die Straßen. Während dieser Prozessionen werden große religiöse Figuren auf reich geschmückten Trageplattformen durch die Stadt getragen, den sogenannten tronos oder pasos. Diese eindrucksvollen Konstruktionen, oft verziert mit Blumen, Silberarbeiten und Hunderten von Kerzen, zeigen Szenen aus der Leidensgeschichte Christi oder ein Bild der Jungfrau Maria.

Die tronos werden von Dutzenden, manchmal sogar Hunderten costaleros getragen – Trägern, die unter der Plattform gehen und das Gewicht auf ihren Schultern tragen. Das Tempo wird von einem Leiter bestimmt, während Blaskapellen und Trommeln die Prozession begleiten. Mal erklingt ein getragener Marsch, mal wird die Stille besonders betont, sodass man nur das leise Scharren der Schritte und das Klopfen der Stäbe auf dem Pflaster hört.

Cofradía del Santísimo Cristo de la Misericordia in Vélez-Málaga. Copyright Lutz Dausend
Cofradía del Santísimo Cristo de la Misericordia in Vélez-Málaga © Lutz Dausend

Was bei den Prozessionen neben all den prächtigen Thronen, Statuen und Verzierungen auffällt, sind die Menschen, die daran teilnehmen; gekleidet in spitze Hauben, Frauen in Schwarz und einer Mantilla (hoher schwarzer Schleier), manchmal mit Kerzen und Kreuzen in der Hand oder sogar barfuß. Sie werden die Büßer (Penitentes) genannt, manche mit einem kegelförmigen Hut (el capirote oder el cucurucho), und die Nazarener (Nazarenos), die hinter dem Thron herziehen, aber diesen spitzen Hut nicht tragen. Die hohen Spitzhauben stammen übrigens noch aus der Zeit der spanischen Inquisition, als die Verurteilten zur Buße verpflichtet wurden, eine Spitzhaube zu tragen, die Gesicht, Rücken und Brust bedeckte. Durch das Tragen dieser Haube waren sie dem Himmel näher, so glaubte man damals. Einige Bruderschaften haben auch junge Mitglieder, die meist am frühen Abend so weit wie möglich mitlaufen.

Manchmal wird die Stille plötzlich von einer saeta durchbrochen: einem gefühlvollen, oft spontanen Gesang, der von einem Balkon oder aus dem Publikum erklingt. Mit deutlichen Einflüssen des Flamenco richtet sich dieser Gesang direkt an die vorbeiziehende Heiligenfigur und sorgt oft für einen der bewegendsten Momente der Prozession.

Von großen Städten bis zu kleinen Dörfern
Auch die Art, wie die Semana Santa erlebt wird, unterscheidet sich je nach Ort. In großen Städten wie Sevilla oder Málaga ziehen die Prozessionen Tausende Besucher an und sind groß und eindrucksvoll organisiert. In kleineren andalusischen Dörfern ist die Atmosphäre dagegen oft intimer und persönlicher. Man kennt sich, Familien laufen gemeinsam in den Prozessionen mit, und Bewohner verfolgen den Zug aus ihrer eigenen Straße oder von ihrem Balkon aus. Gerade diese Verbindung aus großer Tradition und lokaler Verbundenheit macht die Semana Santa in ganz Südandalusien so besonders.

Cofradía del Santísimo Cristo de la Buena Muerte während der Prozessionen in der Semana Santa in Vélez-Málaga, copyright Lutz Dausend
Cofradía del Santísimo Cristo de la Buena Muerte in Vélez-Málaga © Lutz Dausend

Was bedeuten diese Begriffe während der Semana Santa?
In den Berichten über die der Semana Santa begegnet man einer Reihe typisch spanischer Begriffe, die direkt mit den Prozessionen zu tun haben. Dies sind die wichtigsten:

Cofradía
Eine religiöse Bruderschaft, die für die Organisation der Prozessionen während der Semana Santa verantwortlich ist. Viele dieser Bruderschaften bestehen seit Jahrhunderten und haben ihre eigene Kirche, ihre eigenen Traditionen und ihre eigene Kleidung.

Trono (oder paso)
Die große Trageplattform, auf der die religiösen Figuren stehen. Diese eindrucksvollen Konstruktionen sind oft reich mit Blumen, Silberarbeiten, Kerzen und Stickereien geschmückt. Manche tronos wiegen mehrere Tonnen.

Nazareno
Ein Mitglied einer Bruderschaft, das in der Prozession in einem langen Gewand mit spitzer Kapuze (capirote) mitläuft. Häufig tragen sie Kerzen, Kreuze oder andere Symbole und nehmen als Zeichen von Buße und Hingabe teil.

Costalero
Die Träger, die unter dem trono laufen und die schwere Plattform auf ihren Schultern tragen. Sie bewegen sich in festem Rhythmus durch die Straßen und werden von einem Leiter angeführt, der das Tempo vorgibt.

Saeta
Ein gefühlvoller und oft spontaner Gesang, der während einer Prozession von einem Balkon oder von der Straße aus gesungen wird. Dieser Gesang ist tief religiös und stark vom Flamenco beeinflusst.

Ob man ganz bewusst kommt, um die Semana Santa zu erleben, oder ihr zufällig während eines Besuchs in Andalusien begegnet: Sie ist eine Erfahrung, die man nicht so schnell vergisst. Die Prozessionen, die Musik und die eindrucksvollen Bilder geben einen einzigartigen Einblick in die Kultur und Traditionen Südspaniens – eine Woche, in der Geschichte, Glaube und Gemeinschaft auf den Straßen von Städten und Dörfern zusammenkommen.

https://www.visitanddo.com/en/malaga-holy-week/

Die Antigua Archicofradía de la Santa Vera+Cruz, eine der prominenten Bruderschaften in Vélez-Málaga,  in ihren Prozessionsgewändern. Copyright Lutz Dausend
Antigua Archicofradía, Semana Santa, Vélez-Málaga © Lutz Dausend

 

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